EinführungUrsprungDie Kunst des Teppichknüpfens in Tibet ist uralt. Wie alt genau, darüber gibt es keine schriftlichen Aufzeichnungen. Man nimmt an, daß die Tibeter schon im 7.Jahrhundert, einige meinen auch früher, die Knüpfkunst beherrschten und ab 1000 n. Chr. bereits Teppichhandel betrieben. (D.J. Miller, Nepal Travellers, 1996)"Khaden"Teppiche wurden in Tibet für verschiedene Zwecke hergestellt. Am weitesten verbreitet ist der "Khaden", eine Brücke von etwa 90cm x 180cm. Man benutzt ihn als wärmende Schlafunterlage. Dazu gibt es kleine Exemplare als Unterlage für den Kopf oder zum Sitzen am Feuer. Andere dienen als isolierende Vorhänge für Tür- oder Zeltöffnungen. Satteldecken für Pferde werden zweiteilig hergestellt: Ein größeres Teil liegt unter und ein kleineres auf dem Holzsattel.In Tempeln finden Teppiche Gebrauch als Sitzunterlage für die Mönche, als Säulendekoration oder zum meditieren. Teppiche mit Tigermustern waren früher nur hochgestellten Persönlichkeiten und Lamas (buddhistische Priester) vorbehalten. Sie dienten u.a. der Meditation.Die TibetwolleDie Wolle der tibetischen Hochlandschafe ist für die Teppichherstellung die beste, die man sich denken kann. Sie ist nicht zu fein, ist langstapelig und hat die Fähigkeit, Farben sehr tief im Innern der Wollfaser aufzunehmen. Sie ist sehr fetthaltig, was ihr einen besonderen Glanz gibt und sie unempfindlich gegen Verschmutzungen macht. Allerdings hat sie einen Nachteil für die heutigen Teppichmanufakturen: Wegen ihres hohen Lanolingehaltes kann sie nur von Hand gekardet werden. Der Fettgehalt macht sie untauglich zur maschinellen Bearbeitung. Deshalb wird in den meisten tibetischen und nepalesischen Manufakturen in Nepal immer ein gewisser Prozentsatz Wolle anderer Herkunft beigemischt. Nur in Privathaushalten und in wenigen exklusiven Manufakturen wird heute noch 100% reine Tibetwolle verwendet. Alle von uns verkauften Teppiche bestehen aus 100% Tibetwolle.Muster & SymboleDie ganz frühen Muster der tibetischen Teppiche weisen sehr viel Ähnlichkeit mit chinesischen Teppichen auf; der buddhistische Symbolgehalt ist ja derselbe. Doch trotz chinesischer und mongolischer Einflüsse, haben die kreativen Tibeter ihren ganz eigenen Stil entwickelt, der sie unverwechselbar macht. In tibetischen Teppichen ist der sakrale Charakter stärker ausgeprägt als in der chinesischen Ornamentik.DorfteppicheDie original tibetischen Teppiche, wie sie noch heute in manchen Dörfern von den Frauen im Haushalt geknüpft werden, finden kaum ihren Weg in unsere Geschäfte. Als nepalesischer Exportartikel haben sich Tibetteppiche" dem westlichen Geschmack angepaßt. Gerade der nach alter Tradition gefertigte Teppich aber hat diese unverwechselbare, lebendige Aussagekraft. Er ist Zeugnis der Kreativität des faszinierenden tibetischen Volkes mit seiner tief im Bewußtsein verankerten Religiosität, seinem Humor und seiner Lebensfreude.Die farbenfrohen Motive erzählen von dem reichen Symbolgehalt der buddhistischen Religion.Es gibt den Drachen, Phönix, oder Schneelöwen zu bewundern, auch florale Darstellungen wie Lotosblume, Päonie, Bambus, sowie Landschaftselemente wie Fels, Meer, Wolken, schließlich die acht buddhistischen Glückssymole und rituelle Gegenstände - um nur einige wenige zu nennen.Bedeutung der SymboleAllgemein läßt sich zu den Symbolen, die von Tibetern angewandt werden, sagen,
daß sie sehr vielschichtig sind; ihre Entschlüsselung ist manchmal schwierig.
Die Deutungen, hören sich oft unterschiedlich an. Sie haben sowohl kosmische
Bedeutung wie religiöse. ( Der Leib des Ur-Buddha - Adi-Buddha - ist gleichzeitig
Weltbild und Universum.) So weisen Symbole von Tieren z.B. oft auf die Elemente
hin und diese haben wiederum eine Entsprechung im geistigen Bewußtsein der Menschen,
in den Bewußtseinsstufen, die letzendlich zur Erleuchtung führen, zur Buddhaschaft.
Symbole werden aber auch einfacher erklärt, oder mystischer, märchenhafter,
mit einer Legende manchmal. Hier ist nur jeweils eine Kurzfassung, die bei der
ganzen Komplexität der Symbolinhalte eher wie eine profane Gebrauchsanleitung
anmutet: |
|---|
| Lotos: ist das Symbol der Reinheit, verkörpert die Reinheit der buddhistischen Lehre, steht auch für das weibliche Prinzip. Die Lotosblüte kennzeichnet zahlreiche Buddhas und Bodhisatvas, insbesondere Avalokiteshvara; den Buddha des unendlichen Mitgefühls. |
|
Drachen: |
| Schneelöwen: Symbole der Bodhisattvas, Wesen, die um die Erlösung aller Lebewesen aus dem Kreis der Wiedergeburten bemüht sind. |
|
Phönix:
|
|
Daneben gibt es noch zahlreiche andere Darstellungen mit Symbolcharakter auf Teppichen.
Z.B.: Mandalas, stilisierte Wolken, das Donnerfeuer, Butterlampen,
Perlenschnüre,
Regenbogen, darin einbezogen wieder Wolken, Felsen, Wasserwellen findet man sehr
häufig als Umrandung des eigentlichen Motivs.
Jemand, der um die Symbole in den Teppichen genau bescheid weiß, könnte also in einem Teppich lesen wie in einem Buch. Für die zum Teil schreibunkundigen Tibeter kann ein Teppich sowohl Botschaft, religiöser und weltanschaulicher Bedeutung sein als auch eine Geschichte, eine Legende erzählen. Oder er ist ganz schlicht der Freude der Knüpferin an der reichen tibetischen Ornamentik entsprungen...Tibetische Tigerteppiche"Tibetische Tigerteppiche sind ein Rätsel."So beginnt das faszinierende Buch von Mimi Lipton, "Tigerteppiche aus Tibet". Frau Lipton hat sich begeistert und umfassend mit diesem speziellen Thema und dem Symbolgehalt von Tigerdarstellungen in Tibet befaßt. Einige besonders schöne alte Teppich-Exemplare hat sie sammeln können; sie sind in diesem Buch abgebildet. Ihren Nachforschungen ist es zu verdanken, das wir heute überhaupt etwas über diese Art der Teppiche sowie ihre mutmaßliche Verwendung in Tibet wissen.Grob zusammen gefaßt läßt sich sagen, daß Tigerteppiche früher in Tibet nur der tibetischen Oberschicht vorbehalten waren - anders als jene Teppiche, die in den Haushalten als Schlafunterlage dienten oder als Türvorhang Schutz vor Kälte boten. Der Tiger war ein Symbol für Macht und Ansehen und galt schon in der vorbuddhistischen Zeit als heiliges Tier. Anzeichen sprechen dafür, daß Tigerteppiche in buddhistischen Tempeln und Klöstern als Meditationssitze verwendet wurden. Auf einem Tigerteppich zu meditieren, hieß die Fähigkeit zu erlangen, „die starken Impulse der inneren Psyche unter Kontrolle zu halten“. (Mimi Lipton, S. 131).Trotz aller Bemühungen von Tibetforschern und Frau Lipton, ist es bis jetzt jedoch nicht gelungen, die letzten Geheimnisse über den Gebrauch und die genaue Herkunft dieser Teppiche zu entschlüsseln. So bleiben sie, von alter Mythologie umwoben, für uns faszinierende Kunstwerke, in die man sich mehr hineinfühlen als sie intellektuell zu entschlüsseln versuchen sollte.
|
|---|